BVLOS und Drone-in-a-Box-System
Vorbereitung von BVLOS- und Drone-in-a-Box-System-Operationen für Drohnenbetreiber in Deutschland
Die Durchführung von BVLOS- und Drone-in-a-Box-System-Operationen erfordert eine sorgfältige Planung und Einhaltung sowohl europäischer als auch nationaler Vorschriften. Dieser Leitfaden bietet einen Überblick über die wesentlichen Schritte und Überlegungen für Drohnenbetreiber in Deutschland, die mit diesen komplexen betrieblichen Szenarien arbeiten, einschließlich der Erstellung eines betrieblichen Handbuchs, der Risikobewertung mittels SORA und der Einrichtung technischer und organisatorischer Systeme.
1. Verstehen Sie die Regulierung und Genehmigungsvoraussetzungen
BVLOS-Operationen und Drone-in-a-Box-System-Aktivitäten fallen in Deutschland unter die Spezifische Kategorie der europäischen UAS-Vorschriften, wie sie vom Luftfahrt-Bundesamt (LBA) umgesetzt wurden. Jede BVLOS-Operation erfordert eine Betriebsgenehmigung, die je nach Luftraumtyp und betrieblichen Merkmalen generisch oder spezifisch sein kann.
Generische Genehmigungen sind beispielsweise für BVLOS-Operationen über kontrolliertem Gebiet im kontrollierten Luftraum verfügbar, während andere Kombinationen oft eine detailliertere Genehmigungs- und Risikobewertung erfordern. Für Drone-in-a-Box-System-Operationen ist es entscheidend, innerhalb dieses regulatorischen Rahmens die nationalen Beschränkungen zu prüfen, um die Durchführbarkeit festzustellen.
- BVLOS fällt unter die Spezifische Kategorie mit LBA-Betriebsgenehmigungen.
- Generische Genehmigungen möglich für kontrollierten Luftraum über kontrolliertem Gebiet.
- Andere Genehmigungen erfordern oft Maßarbeit und umfangreiche Risikobewertung.
2. Führen Sie eine detaillierte Risikobewertung mit SORA durch
Die Specific Operations Risk Assessment (SORA) ist eine standardisierte Methode, die von der EASA empfohlen wird, um das Risiko spezifischer BVLOS- und Drone-in-a-Box-System-Operationen zu bestimmen. Sie bewertet sowohl das betriebliche Risiko als auch das Risiko für Dritte und die Umwelt.
SORA unterstützt die Beantragung einer Betriebsgenehmigung, indem sie Bedrohungen identifiziert, Minderungstrategien festlegt und das Safety Assurance Integrity Level (SAIL) bestimmt. Das Ergebnis ist ein wesentlicher Bestandteil der betrieblichen Dokumentation und muss sorgfältig dokumentiert werden.
- SORA identifiziert spezifische betriebliche Risiken.
- Beinhaltet Minderungstrategien und Sicherheitsniveaus (SAIL).
- Unverzichtbar bei der Beantragung einer Betriebsgenehmigung in der Spezifischen Kategorie.
3. Entwickeln Sie ein robustes betriebliches Handbuch
Das betriebliche Handbuch ist das Drehbuch, in dem alle Verfahren, Rollen und Notfallszenarien explizit beschrieben werden. Dies ist für BVLOS-Operationen verpflichtend und muss unter anderem die folgenden Elemente enthalten:
- Betriebliche Prozesse wie Flugplanung, Aktivierung, Kontrolle und Beendigung des Fluges.
- Definitionen aller beteiligten Rollen, einschließlich Remote-Piloten, Supervisoren und technischer Unterstützung.
- Verfahren für die Erkennung von Dritten, Verwendung von Erkennungssystemen und Kommunikation mit Standortkontakten.
- Notfall- und Degradationsszenarien mit klaren sicheren Zuständen und Wiederherstellungsverfahren.
- Beschreiben Sie detaillierte betriebliche Verfahren, einschließlich Fernsteuerung und Überwachung.
- Legen Sie Verantwortlichkeiten und Kommunikationsprotokolle fest.
- Integrieren Sie Notfallpläne für Kommunikationsausfälle, Dockingstörungen und andere Störungen.
4. Kartieren Sie Systemabhängigkeiten und technische Architektur
BVLOS- und Drone-in-a-Box-System-Operationen erfordern eine komplexe technische Infrastruktur. Identifizieren und beschreiben Sie alle wesentlichen Systemkomponenten wie Kommando-und-Kontrollsysteme (C2), Drohnen-Dockingstationen, Energieversorgung, Netzwerkverbindungen und Navigationssysteme.
Für jedes Teil muss festgestellt werden, welche Erkennungs-, Fallback- und sicheren Modusmechanismen verfügbar sind, um Risiken durch Systemausfälle zu mindern. Dies umfasst Redundanz in Datenverbindungen, Remote-ID-Funktionalitäten und Fail-Safe-Landeveroutinen.
- Legen Sie C2- und Datenverbindungen, Energieversorgung und Navigationssysteme fest.
- Beschreiben Sie Backup- und sichere Zustände für jede Systemkomponente.
- Prüfen Sie die Integration mit Remote-ID und Erkennungssystemen für Dritte.
5. Definieren Sie Remote-Rollen und betriebliche Verantwortlichkeiten
Eine klare Rollenzuweisung ist entscheidend für die sichere Durchführung von BVLOS- und Drone-in-a-Box-System-Operationen. Legen Sie explizit fest, wer befugt ist, Flüge zu aktivieren, zu überwachen, bei Problemen zu übernehmen und zu beenden.
Berücksichtigen Sie Faktoren wie Arbeitsbelastungsmanagement, gleichzeitige Operationen, prozedurale Übertragung und Erreichbarkeit von entscheidenden Kontaktpersonen. Legen Sie auch fest, wie das Team kommuniziert, sowohl untereinander als auch mit Standortkontakten und der Luftverkehrskontrolle.
- Legen Sie fest, wer für Aktivierung, Überwachung, Übernahme und Beendigung verantwortlich ist.
- Regeln Sie Arbeitsbelastung und Kommunikation bei mehreren gleichzeitigen Operationen.
- Dokumentieren Sie Erreichbarkeit und Verfahren für Eskalationen.
6. Testen und üben Sie Degradations- und Notfallszenarien
Proaktives Üben mit Szenarien wie Verlust der C2-Verbindung, Dockingstörungen, fehlerhafte Wetterinformationen, Eindringlinge im Betriebsbereich, Ausfall der Energieversorgung und nicht verlaufende Landungen ist unverzichtbar.
Nutzen Sie die Übungen, um das betriebliche Handbuch zu validieren, Personal zu schulen und Wartungsprozesse zu verbessern. Dokumentieren Sie jeden Test und die daraus resultierenden Verbesserungen als Teil des Qualitätsmanagements.
- Üben Sie mit Verlust der Verbindung und Notlandungen.
- Testen Sie die Reaktion auf Docking- und Energieprobleme.
- Nutzen Sie Ergebnisse für Schulung und kontinuierliche Verbesserung.
Häufig gestellte Fragen
Ist ein Drone-in-a-Box-System automatisch für BVLOS-Operationen geeignet?
Nein, ein Drone-in-a-Box-System ist nicht automatisch für BVLOS geeignet. Jedes System muss spezifische technische und betriebliche Anforderungen erfüllen, und die betriebliche Methode bestimmt, ob eine geeignete Genehmigung vom LBA erhalten werden kann.
Kann ich BVLOS-Operationen ohne Genehmigung in Deutschland durchführen?
Nein, BVLOS-Operationen fallen unter die Spezifische Kategorie und erfordern immer eine Betriebsgenehmigung vom LBA. Dies gilt unabhängig vom Luftraum und dem verwendeten System.
Was ist der Unterschied zwischen einer generischen und einer spezifischen Genehmigung für BVLOS?
Eine generische Genehmigung ist eine Standardgenehmigung für bestimmte gängige BVLOS-Aktivitäten im kontrollierten Luftraum über kontrolliertem Gebiet. Eine spezifische Genehmigung ist Maßarbeit für Aktivitäten, die außerhalb dieses Standards liegen oder besondere Risiken aufweisen.
Welche Rolle spielt die SORA bei der Beantragung einer BVLOS-Genehmigung?
Die SORA ist eine Risikobewertungsmethode, die hilft, die Sicherheit einer spezifischen BVLOS-Operation systematisch zu bestimmen. Sie ist ein verpflichtender Bestandteil der Beantragung und bildet die Grundlage für Minderung und Sicherheitsmaßnahmen.
