Regelungen und Durchführung

Drohneninspektionen für die Waldbewirtschaftung: Regelungen und praktische Durchführung

Drohnen werden zunehmend für die Überwachung von Wäldern und Naturschutzgebieten eingesetzt. Dieser Leitfaden bietet einen Überblick über die relevanten Regelungen und praktischen Schritte für die Durchführung von Drohneninspektionen in der Waldbewirtschaftung.

Warum Drohnen in der Waldbewirtschaftung einsetzen?

Drohnen ermöglichen eine schnelle und effiziente Inspektion großer Waldflächen ohne Störung des Bodens oder der Vegetation. Dies erleichtert das Monitoring und die Analyse verschiedenster Aspekte im Waldmanagement.

Sie werden eingesetzt für:

- Inspektion von Sturmschäden zur frühzeitigen Erkennung und Dokumentation

- Überwachung der Baumgesundheit und Erkennung von Befall oder Krankheiten

- Aufspüren von Krankheitsherden und Schaderregern

Welche Drohnen und Sensoren werden verwendet?

Professionelle Drohnen für die Waldbewirtschaftung zeichnen sich durch lange Flugzeiten und die Fähigkeit aus, schwere Sensoren zu tragen. Beispiele sind die DJI Matrice 4E, DJI Matrice 350 RTK sowie DJI Mavic 3 Enterprise.

Die Auswahl der Sensorik richtet sich nach den Inspektionszielen:

- RGB-Kameras für hochauflösende visuelle Kartierungen

- Thermalkameras zur Erkennung von Wärmequellen, z. B. bei der Brandprävention oder Wildtierbeobachtung

- Multispektrale Kameras für die Analyse der Vegetationsgesundheit

Typische Inspektionen bei der Waldbewirtschaftung

Drohnen ermöglichen unterschiedliche Untersuchungen und Messungen, die für eine effektive Waldbewirtschaftung notwendig sind.

Die Baumsicherheitskontrolle umfasst insbesondere die Suche nach:

- Abgestorbenen Bäumen, die eine Gefahr darstellen können

- Schiefstand von Bäumen als Hinweis auf Instabilität

- Beschädigungen und abgeknickten Ästen, die durch Sturm oder Krankheiten verursacht werden

Welche Regelungen gelten für Drohneninspektionen in der Waldbewirtschaftung?

Drohnenflüge unterliegen in Deutschland der europäischen unbemannten Luftfahrtsystemverordnung (UAS-VO, EU 2019/947 und EU 2019/945) und den ergänzenden Vorgaben des Luftfahrt-Bundesamtes (LBA).

Für Drohnenoperationen sind die Kategorien Open und Specific relevant:

- Open-Kategorie: Für einfache Operationen innerhalb der Sichtweite (VLOS), mit geringer Flugmasse und ohne besondere Risiken.

- Specific-Kategorie: Für komplexere Einsätze, z. B. BVLOS (Beyond Visual Line of Sight) oder Flüge über Menschenansammlungen. Hierfür ist eine betriebliche Genehmigung erforderlich, die mit Schwerpunkt auf PDRA (Pre-Defined Risk Assessment) oder der SORA (Specific Operations Risk Assessment) Methode erarbeitet wird.

Wichtig: EU-Standard-Szenarien (STS), beispielsweise STS-01 oder STS-02, sind in Deutschland nicht als Genehmigungsroute verfügbar. Deutsche UAS-Betreiber müssen für spezifische Operationen auf PDRA oder SORA zurückgreifen.

Schritt-für-Schritt Praxisbeispiel einer Waldinspektion nach einem Sturm

Ein Forstbetrieb plant die Inspektion eines 120 Hektar großen Waldbereichs zur Erfassung von Sturmschäden.

Um die Operation sicher und regelkonform durchzuführen, sind die folgenden Schritte zu beachten:

1. Missionsplanung: Festlegung der Ziele, Auswahl der Drohne und der Sensoren entsprechend der Inspektionsaufgabe.

2. Überprüfung der Geozonen: Identifikation von Flugrestriktionen, wie Natura-2000- oder Naturschutzgebieten sowie eventuell geltender Flugverbote.

3. Wettercheck: Prüfung der Windstärke, Niederschlagswahrscheinlichkeit und anderen relevanten Wetterfaktoren zur Gewährleistung sicherer Flugbedingungen.

Häufige Risiken und Maßnahmen bei Waldbewirtschaftungsflügen mit Drohnen

Waldbedingungen stellen spezifische Herausforderungen für Drohnenflüge dar, die gezielt adressiert werden sollten:

- Verlust des GPS-Signals unter dichtem Blätterdach: Einsatz redundanter Navigationssysteme und Verwendung visueller Referenzpunkte zur Orientierung.

- Windböen in Waldbereichen: Durchführung von Flügen nur bei günstigen Wetterverhältnissen, basierend auf sorgfältiger Wettervorhersage.

- Begegnung mit Vögeln: Abstand halten und Flugwege anpassen, um Kollisionen zu vermeiden.

- Vorsicht gegenüber Erholungssuchenden und Jagdveranstaltungen: Absprache und Koordination mit den Geländeverwaltern zur Festlegung sicherer Zugangs- und Flugbereiche.

Welche Dokumente sind für Drohneninspektionen in der Waldbewirtschaftung erforderlicH?

Je nach Komplexität und Risiko der Drohnenoperation können folgende Unterlagen notwendig sein:

- Betriebshandbuch mit detaillierten Abläufen und Befugnissen der Besatzung.

- Emergency Response Plan (ERP) für den Umgang mit Notfällen während des Flugbetriebs.

- Concept of Operations (ConOps), das Ziele, den betrieblichen Kontext und Risikominderungsmaßnahmen beschreibt.

- Spezifische Operations-Risiko-Analyse (SORA) oder ein Pre-Defined Risk Assessment (PDRA), sofern der Betrieb in der Specific-Kategorie stattfindet.

Warum setzen Waldbetreiber auf Drohnen in der Waldbewirtschaftung?

Drohnen bieten gegenüber traditionellen Methoden mehrere Vorteile:

- Schnelle Erfassung großer und schwer zugänglicher Waldflächen.

- Kostenreduktion durch weniger Personal- und Materialeinsatz.

- Erhöhte Sicherheit, indem gefährliche Bereiche aus der Entfernung bewertet werden.

- Minimale Störungen für Flora, Fauna und Erholungssuchende.

Häufig gestellte Fragen

Welche Regelungen gelten für Drohneninspektionen in der Waldbewirtschaftung?

Drohneninspektionen in Deutschland unterliegen den EU-Verordnungen 2019/947 und 2019/945 sowie den Vorgaben des Luftfahrt-Bundesamtes (LBA). Abhängig von der Komplexität der Operation können zusätzliche nationale Anforderungen gelten. Es ist ratsam, die aktuellen LBA-Richtlinien zu prüfen.

Darf ich über ein Naturschutzgebiet oder Natura 2000-Gebiet fliegen?

Flüge über Naturschutzgebiete, einschließlich Natura 2000, erfordern in der Regel zusätzliche Genehmigungen oder die Zustimmung der Geländeverwalter. Vor einem Flug sollte stets Rücksprache mit den zuständigen Stellen gehalten werden, um rechtliche Vorgaben zu erfüllen.

Ist die Zustimmung des Geländeverwalters immer notwendig?

Für nahezu alle Drohnenflüge über Privatgelände, Wälder oder Naturschutzgebiete ist die Genehmigung des Geländeverwalters erforderlich, selbst wenn der Luftraum nicht ausdrücklich eingeschränkt ist.

Wann ist BVLOS-Fliegen bei Waldinspektionen zulässig?

BVLOS-Flüge sind in Deutschland nur in der Specific-Kategorie erlaubt und bedürfen einer behördlich genehmigten Betriebsbewilligung, die auf einer Risikobewertung wie PDRA oder SORA basiert. Dazu müssen unter anderem Mitigationsmaßnahmen und ein Emergency Response Plan (ERP) vorliegen.

Welche Drohne eignet sich am besten für Waldbewirtschaftung?

Die Auswahl hängt vom konkreten Einsatz ab. Bewährt haben sich Drohnen mit hoher Stabilität, Tragfähigkeit und flexiblen Sensoroptionen, wie die DJI Matrice 350 RTK oder DJI Mavic 3 Enterprise.

Kann eine thermische Kamera Tiere erfassen?

Ja, thermische Kameras erkennen Wärmesignaturen von Tieren und unterstützen damit das Wildmanagement sowie die Vermeidung von Störungen bei Nachtflügen.

Ist LiDAR-Technologie für Waldinventur geeignet?

LiDAR ermöglicht präzise Höhen-, Dichte- und Strukturmessungen der Vegetation und liefert wertvolle Daten für die Waldbewirtschaftung. Diese Technologie ist sehr nützlich für detaillierte Inventuren.