SORA-Anleitung

SORA-Anleitung für Drohnenoperationen: Was ist das und wie wenden Sie es an?

Die Specific Operations Risk Assessment (SORA) ist eine Methodologie, die von der European Union Aviation Safety Agency (EASA) entwickelt wurde, um die Risiken von Drohnenflügen in der spezifischen Kategorie zu klassifizieren und zu mindern. Dieser Leitfaden bietet eine schrittweise Erklärung, wie Sie SORA auf Ihre Drohnenoperationen anwenden können.

Was ist SORA?

SORA ist eine systematische Methodik zur Identifizierung und Minderung von Risiken bei Drohnenoperationen, die nicht unter Standard-Szenarien (STS) oder vordefinierte Risikobewertungen (PDRA) innerhalb des EASA-Rahmens fallen. Sie unterstützt UAS-Betreiber bei der Bestimmung von Betriebsgrenzen, Schulungsanforderungen und technischen Merkmalen von Drohnen, um sichere Operationen zu ermöglichen.

SORA besteht aus einer Reihe von Schritten, die dem Betreiber helfen, das Bodenrisiko (Ground Risk Class, GRC) und das Luft-Risiko (Air Risk Class, ARC) einer geplanten Operation zu bewerten. Anschließend werden Maßnahmen zur Risikominderung festgelegt, um ein akzeptables Sicherheitsniveau zu erreichen.

  • Zielt auf Operationen in der EASA-spezifischen Kategorie ab, die nicht durch STS oder PDRA abgedeckt werden können.
  • Bewertet systematisch sowohl Boden- als auch Luft-Risiken.
  • Liefert Input für die Erstellung eines Betriebsmanuals (Concept of Operations, ConOps) und einer betrieblichen Genehmigung.

Wann ist SORA relevant für deutsche Drohnenbetreiber?

In Deutschland verwenden Drohnenbetreiber in der offenen Kategorie kein SORA, da dieses Regime automatisch risikoarme Operationen erlaubt. SORA kommt bei spezifischen Kategorie-Operationen zum Einsatz, für die keine anerkannte PDRA-Methode verfügbar ist.

Das Luftfahrt-Bundesamt (LBA) verlangt die Anwendung der SORA-Methode als Teil des Genehmigungsverfahrens für Betriebsanträge in der spezifischen Kategorie, wenn die Operation nicht unter Standard-Szenarien (STS) fällt und kein anerkanntes PDRA anwendbar ist.

Im deutschen nationalen Kontext bleibt STS eine zulässige operative Route, jedoch ist zu beachten, dass die UK CAA diese Route nicht akzeptiert.

  • Wesentlich für komplexe und risikoreiche BVLOS-Operationen in der spezifischen Kategorie.
  • Anwendbar bei neuen oder abweichenden Einsatzprofilen, für die weder STS noch PDRA vorgesehen sind.
  • Grundlage für den Antrag auf eine betriebliche Genehmigung (Operational Authorisation) beim LBA.

Der 10-Schritte-Ansatz von SORA für Drohnenoperationen

SORA besteht aus zehn aufeinanderfolgenden Schritten, die einem Betreiber helfen, betriebliche Risiken zu identifizieren, die Ground Risk Class (GRC) und Air Risk Class (ARC) zu klassifizieren und geeignete Minderungsvorkehrungen zu definieren. Der Prozess beginnt mit der Beschreibung der Operation (ConOps) und endet mit der Definition akzeptabler Betriebsbeschränkungen.

Wichtige Elemente sind die Analyse von Flugrisiken, die Anwendung geografischer und verfahrenstechnischer Strategien zur Risikominderung sowie die Entwicklung eines ausführlichen Emergency Response Plans (ERP).

Das Ergebnis muss im Betriebsmanual und ERP dokumentiert und bei der betrieblichen Genehmigung beim LBA eingereicht werden.

  • Schritt 1: Beschreibung der Operation (Concept of Operations, ConOps).
  • Schritte 2–4: Bewertung von Ground Risk Class (GRC) und Air Risk Class (ARC).
  • Schritte 5–7: Anwendung von Risikominderungsmaßnahmen und Korrekturfaktoren.
  • Schritte 8–9: Auswertung des Risikoprofils durch Specific Assurance and Integrity Levels (SAIL).
  • Schritt 10: Definition operativer Beschränkungen und Schulungsanforderungen.

Praktische Tipps für die Erstellung von SORA-Dossiers

Ein detailliertes ConOps, das Einsatzprofil, Umfeld und verwendete Ausrüstung präzise beschreibt, ist die Basis einer erfolgreichen Risikobewertung.

Zur Entlastung empfiehlt sich die Zusammenarbeit mit einem anerkannten Sicherheitsberater oder die Verwendung von PDRA-Methoden, wo diese anwendbar sind.

Lückenlose Dokumentation aller Minderungsvorkehrungen, Annahmen und der angewandten SORA-Schritte inklusive der erforderlichen Nachweise ist für den Antrag beim LBA essenziell.

Es ist wichtig, dass das ERP und alle betrieblichen Einschränkungen mit dem ConOps übereinstimmen, um die genehmigungsrelevanten Anforderungen zu erfüllen.

  • ConOps vollständig und klar ausarbeiten.
  • PDRA-Methoden verwenden, wenn möglich, zur Arbeitserleichterung.
  • Gründliche Dokumentation von Maßnahmen und Trainingsvorgaben.
  • Notfall- und ERP-Prozesse nicht vernachlässigen.

Häufige Fehler bei der Anwendung von SORA und worauf Sie achten sollten

Oftmals wird das Operationsgebiet ungenau abgegrenzt, wodurch Risiken angrenzender Flächen nicht ausreichend berücksichtigt werden. Dies führt zu unvollständigen Risikobewertungen.

Zusätzlich ist die technische und organisatorische Umsetzung der erforderlichen Minderungsvorkehrungen häufig unterschätzt, obwohl die SORA-Methode klare Vorgaben macht.

Eine mangelhafte Verknüpfung zwischen ConOps, ERP und dem Betriebsmanual kann zu betrieblichen Abweichungen führen und die Genehmigung durch das LBA gefährden.

  • Unklare oder unvollständige Abgrenzung des Flugbereichs.
  • Unterschätzung der erforderlichen Risikominderungen und Schulungen.
  • Inkonsistente Dokumentation zwischen den betrieblichen Dokumenten.
  • Nichtbeachtung aktueller gesetzlicher Anforderungen und LBA-Richtlinien.

Häufig gestellte Fragen

Was ist der Unterschied zwischen SORA und PDRA?

SORA ist eine umfassende Methodik zur Risikobewertung komplexer Drohnenoperationen, die außerhalb der Standard-Szenarien (STS) und vordefinierten Risikobewertungen (PDRA) liegen. PDRA hingegen sind standardisierte Risikobewertungen für spezifische Einsatzsituationen und bieten eine einfachere Anwendung. In Deutschland kann der Betreiber wahlweise eine PDRA-basierte oder eine SORA-basierte betriebliche Genehmigung in der spezifischen Kategorie beantragen.

Ist SORA für alle Drohnenbetreiber in Deutschland verpflichtend?

Nein. SORA ist nur für Drohnenoperationen in der spezifischen Kategorie verpflichtend, die nicht unter die offene Kategorie fallen und für die kein Standard-Szenario oder eine PDRA anwendbar ist. Für viele einfache Operationen in der offenen Kategorie ist keine SORA erforderlich.

Wo finde ich offizielle Informationen zu SORA in Deutschland?

Das Luftfahrt-Bundesamt (LBA) ist die zuständige Behörde für Drohnenregulierung in Deutschland. Offizielle Informationen zu SORA und betrieblichen Genehmigungsverfahren finden Sie auf der Webseite des LBA sowie in den durch die EASA veröffentlichten europäischen Vorschriften.

Kann ich den EU STS-Ansatz für meine Drohnenoperationen in Deutschland verwenden?

Ja. Das Konzept der Standard-Szenarien (STS) ist ein EU/EASA-Ansatz und wird in Deutschland als Mitgliedstaat angewandt. STS kann als zugelassene Betriebsroute innerhalb der offenen und spezifischen Kategorie genutzt werden.