SORA 2.5 · ARC

ARC und Luftfahrtrisiko-Minderungsstrategien: Ausgearbeitetes SORA 2.5-Beispiel

In der europäischen Regulierung für unbemannte Luftfahrtsysteme (UAS) ist die Systematische Operationale Risikoanalyse (SORA) ein wesentliches Instrument zur Bewertung und Steuerung des Luftfahrtrisikos bei spezifischen Operationen. Die Air Risk Classification (ARC) innerhalb von SORA 2.5 bietet eine quantitative Einschätzung der Wahrscheinlichkeit einer Begegnung mit bemannter Luftfahrt im operativen Luftraum. Die Zuweisung einer ARC-Kategorie ist mehr als nur die Auswahl eines Buchstabens: Sie erfordert eine fundierte Analyse des Luftraums, verwendeter Datenquellen und die effektive Anwendung strategischer und taktischer Minderung, sodass all dies ein kohärentes, kontrollierbares Ganzes bildet.

Initial ARC motivieren: Gründliche Luftraum- und Verkehrsanalyse

Der erste Schritt bei der Festlegung der Air Risk Classification (ARC) besteht darin, die Initial ARC basierend auf einer detaillierten Beschreibung des operativen Luftraums festzulegen. Dies umfasst die Identifikation der relevanten Luftraumklasse (z. B. Klasse C oder D gemäß EU-Luftrecht), die vertikalen und lateralen Grenzen des Einsatzbereichs sowie die Berücksichtigung naher Verkehrsflughäfen und regulierter Flugrouten. Für die Analyse sind offizielle Quellen wie das Aeronautical Information Publication (AIP), Geozonen des Luftfahrt-Bundesamtes (LBA) oder der Flugsicherung zu nutzen.

Darüber hinaus ist die Erfassung der Verkehrsdichte und des Verkehrsmusters in den betroffenen Zeitfenstern essenziell, um realistische Annahmen über die Begegnungswahrscheinlichkeit mit bemannter Luftfahrt zu treffen. Die Auswahl der Initial ARC-Kategorie (von A bis D) muss transparent mit den erhobenen Daten und den getroffenen Annahmen begründet werden. Dabei ist sicherzustellen, dass die ARC für das gesamte Einsatzvolumen sowie für die zu erwartenden Betriebsbedingungen zur Einsatzzeit gilt.

  • Ermittlung der Luftraumklasse und Definition der operativen Grenzen
  • Analyse der Verkehrsdichte und Verkehrsarten, inklusive Spitzenzeiten
  • Nutzung etablierter Informationsquellen: AIP, LBA-Geozonen, Flugsicherungsdaten
  • Dokumentation von Annahmen, Unsicherheiten und aktueller Datenlage

Strategische Minderung und Ableitung der Residual ARC

Strategische Minderung umfasst vorbeugende Maßnahmen, die vor dem Flug eingerichtet werden, um das Risiko von Begegnungen mit bemannter Luftfahrt nachhaltig zu reduzieren. Beispiele sind die Wahl zeitlicher Fenster mit geringer Verkehrsdichte, räumliche Einschränkungen des Einsatzbereichs oder die Abstimmung der Flüge mit dem Luftfahrt-Bundesamt sowie Flugsicherungsdienstleistern.

Die Wirksamkeit dieser Minderungen muss anhand konkreter Betriebsdaten dokumentiert und nachvollziehbar begründet werden. Die Residual ARC wird erst nach einer überzeugenden und belegten Bewertung der Effekte dieser Maßnahmen vergeben. Eine bloße betriebliche Präferenz für eine niedrigere ARC ohne evidenzbasierte Untermauerung ist in diesem Zusammenhang unbeachtlich. Die Residual ARC reflektiert somit immer das tatsächlich reduzierte Luftfahrtrisiko.

  • Räumlich und zeitlich begrenzte Einsatzbeschränkungen
  • Vorab-Koordination mit Flugsicherung (ATC) und relevanten Stakeholdern
  • Nachweis der Wirksamkeit durch operative und statistische Daten
  • Systematische und nachvollziehbare Herleitung der Residual ARC nach SORA 2.5

Taktische Minderung und Tactical Mitigation Performance Requirement (TMPR)

Taktische Minderung beschreibt alle Maßnahmen, die während des tatsächlichen Betriebs aktiv dazu dienen, eine Begegnung mit bemannter kollaborativer oder nicht-kollaborativer Luftfahrt zu erkennen und zu verhindern. Dazu zählen der Einsatz von zertifizierten Detektionssystemen, Kommunikationsprotokolle sowie klar definierte Entscheidungs- und Ausweichprozesse. Die Umsetzung dieser Maßnahmen muss den Anforderungen des Tactical Mitigation Performance Requirement (TMPR) entsprechen, das an das spezifische Risiko angepasst ist.

Eine sorgfältige Dokumentation der Mittel und Prozesse im Zusammenhang mit dem TMPR ist unerlässlich. Dazu gehört die Festlegung von Entscheidungszuständigkeiten, verfügbare Reaktionszeiten, verbindliche Kommunikationswege und Fallback-Prozeduren bei Ausfall von Mitteln. Training und Simulationen dienen der Erhöhung der Verlässlichkeit und Praxisnähe der taktischen Minderungen.

  • Einsatz zertifizierter Detektionssysteme mit nachweisbarer Erfassungsreichweite
  • Schnelle und professionelle Entscheidungsfindung durch qualifiziertes Personal
  • Sichere und abgestimmte Kommunikations- und De-Konfliktionsprozesse mit Dritten
  • Robuste Störfallmanagement- und Backup-Maßnahmen zur Fehlerabsicherung

Häufig gestellte Fragen

Ist eine niedrige Flughöhe ausreichend, um die ARC zu senken?

Nein, eine alleinige Reduzierung der Flughöhe führt nicht automatisch zu einer niedrigeren ARC. Die SORA 2.5 Methodik verlangt eine fundierte Begründung und nachvollziehbare Nachweise für strategische Minderungsmaßnahmen, bevor eine Risikoreduktion und damit eine niedrigere ARC anerkannt werden kann.

Was ist der Unterschied zwischen Initial ARC und Residual ARC?

Die Initial ARC beschreibt die Risikoklasse auf Grundlage der Ausgangssituation im Luftraum ohne angewandte Minderungsmaßnahmen. Die Residual ARC hingegen repräsentiert die Risikoklasse nach der Implementierung nachweislicher und akzeptierter strategischer Minderungen, die das Begegnungsrisiko mit bemannter Luftfahrt verringern.

Wie beweise ich die Effektivität von strategischen Minderungen?

Die Wirksamkeit lässt sich mittels Verkehrsdaten, schriftlichen Koordinierungsbestätigungen, betrieblichen Vereinbarungen mit der Flugsicherung sowie Monitoring- und Beobachtungsergebnissen nachweisen. Ohne valide und belastbare Untermauerung darf eine strategische Minderung nicht zur Reduzierung der ARC herangezogen werden.

Wann sind taktische Minderungen innerhalb einer SORA 2.5-Methodik verpflichtend?

Taktische Minderungen sind erforderlich, wenn die Residual ARC ein Restrisiko für Begegnungen zulässt, das während der Operation aktiv gemindert werden muss. Dies wird im Tactical Mitigation Performance Requirement (TMPR) konkretisiert, das die Mindestanforderungen an Detektions-, Kommunikations- und Entscheidungsmaßnahmen definiert.